Mehr als 50 Frauen kamen am 8. und 9. Oktober in Magdeburg zusammen, um darüber ins Gespräch zu kommen, wie Frauen die Stadt mit ihren Erfahrungen, Kompetenzen und Ideen mitgestalten können. Im Mittelpunkt standen Fragen nach Beteiligung, Vernetzung und gemeinsamen Perspektiven für die Zukunft: Welche Strukturen und Räume braucht es, damit Frauen ihre Anliegen einbringen, eigene Ideen verwirklichen und das Zusammenleben in Magdeburg aktiv mitgestalten können?
Erfahrungen teilen, voneinander lernen
Einen wichtigen Impuls gab Hanim Ezder vom Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen (BFmF) e. V. aus Köln. Die Organisation bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Bildungs- und Begegnungsarbeit mit Frauen mit. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, Frauen nicht nur als Zielgruppe von Angeboten zu verstehen, sondern ihre eigenen Erfahrungen und Kompetenzen als Ausgangspunkt zu nehmen. „Wir waren selbst unsere Zielgruppe“ – dieser Gedanke machte deutlich, wie viel entstehen kann, wenn Frauen ihre Perspektiven einbringen und Strukturen selbst mitgestalten.
Auch auf dem Podium kamen unterschiedliche Erfahrungen aus Stadtverwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Dr. Dorothea Trebesius aus der Stadtverwaltung, Prof. Dr. Dorothee Schwendowius von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Undra Dreßler von LAMSA e. V., Hilal Altas, Geschäftsführerin der GHA Invest GmbH und Saaeid Saaeid diskutierten mit Birsen Ürek vom BFmF e. V. darüber, wie Beteiligung gestärkt und langfristig verankert werden kann.
Ein zentraler Gedanke zog sich durch den Austausch: Vernetzung ist mehr als der Kontakt zwischen einzelnen Personen. Wenn Menschen gemeinsame Anliegen erkennen, sich gegenseitig stärken und über Vereins- und Institutionsgrenzen hinweg zusammenarbeiten, können sie mehr bewegen. Dafür braucht es nicht nur Gelegenheiten zur Begegnung, sondern auch Strukturen, die Beteiligung dauerhaft ermöglichen. Gerade in gesellschaftlich unsicheren Zeiten können solche Verbindungen Halt geben und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen.
Ideen sichtbar machen und Verbindungen schaffen
Wie vielfältig die Erfahrungen und Ideen in Magdeburg bereits sind, zeigte sich bei „Connect & Create“. Auf persönlichen Postern stellten mehr als zehn Vereine, Initiativen und Einzelpersonen vor, was sie einbringen und künftig bewegen möchten. Die Pinnwände boten einen unkomplizierten Einstieg ins Gespräch: Wer macht was? Welche Themen verbinden uns? Wo könnten wir gemeinsam etwas auf den Weg bringen? So entstanden neue Kontakte und Anknüpfungspunkte für mögliche Kooperationen – auch über bereits bekannte Netzwerke hinaus.
In den Workshops ging es darum, Ideen weiterzudenken und ihnen eine mögliche Richtung zu geben. Was braucht es, damit aus einer Vision eine tragfähige Struktur wird? Wie könnten Räume aussehen, die Frauen gemeinsam gestalten und mit Leben füllen? Die Teilnehmerinnen tauschten Perspektiven aus, entwickelten Vorstellungen für die Zukunft und sprachen auch über Hürden, die es zu überwinden gilt. Dank des vertrauten Rahmens, in dem die Workshops stattfanden, fühlten sich die Frauen ermutigt, ihre Gedanken zu teilen.
Dabei wurde einmal mehr spürbar, dass es ein großes Bedürfnis gibt, gehört zu werden und die Gesellschaft, deren Teil sie sind, aktiv mitzugestalten. Ein Raum für Sichtbarkeit kann manchmal schon dadurch entstehen, dass die Menschen um uns herum bereit sind, zuzuhören.
Einen weiteren Einblick bot das Filmprojekt „Mit eigenen Augen“, das zugleich einen gelungenen Abschluss des langen ersten Veranstaltungstages bildete. Beim gemeinsamen Stadtrundgang am zweiten Tag lernten 15 Frauen bedeutende Frauen der Magdeburger Stadtgeschichte kennen und setzten den Austausch in Bewegung fort.
Ein gemeinsamer Anfang
Die beiden Tage haben gezeigt, wie viel Wissen, Erfahrung und Gestaltungswille bereits da sind, wenn Frauen zusammenkommen und ihre Perspektiven teilen. Die Begegnungen und Gespräche haben Mut gemacht, den eigenen Ideen zu vertrauen, sich einzubringen und gemeinsam nach Wegen zu suchen, Dinge in die Hand zu nehmen. „Unseren Stimmen einen Raum geben“ war ein Auftakt – kein fertiger Plan, sondern ein gemeinsamer Anfang.
Jetzt gilt es, die entstandenen Kontakte zu pflegen, Ideen weiterzuentwickeln und herauszufinden, welche nächsten Schritte daraus wachsen können. Die Visionen für die Zukunft Magdeburgs sollen nicht nur ausgesprochen, sondern gemeinsam weitergedacht und nach Möglichkeit umgesetzt werden.
Ein herzlicher Dank gilt Susi Möbbeck und Katrin Brademann für ihre Grußworte sowie den Podiumsgästen Prof. Dr. Dorothee Schwendowius, Dr. Dorothea Trebesius, Undra Dreßler, Saaeid Saaeid und Hilal Altas. Ein besonderer Dank geht an Hanim Ezder und Birsen Ürek für ihre fachlichen Impulse und die Begleitung des Austauschs.
Die Veranstaltung wurde gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, das Land Sachsen-Anhalt im Rahmen von „#WIR SIND DAS LAND“ und die Landeshauptstadt Magdeburg.
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